„Ziel dieser Saison ist es, jeden Einzelnen an seine Leistungsgrenze zu bringen“

Ottobrunn – Am kommenden Wochenende startet die erste Herrenmannschaft in die neue Kreisligasaison. Nach den ersten beiden erfolgreichen Pokalspielen (FC Alemannia München 6:0 und SpVgg Thalkirchen 5:2) empfängt der TSV Ottobrunn den SC Grüne Heide Ismaning im heimischen Stadion am Haidgraben (Anstoß 14:30 Uhr). Pünktlich zum Saisonstart haben wir mit Cheftrainer Tim Müllmaier über die vergangene Saison, die Neuzugänge, die persönlichen Ziele gesprochen und womit er dem Team zusammen mit seinem Co-Trainer Tobias Grill jeden Dienstag eine ganz besondere ‚Freude‘ bereitet.

Wie stufst du die vergangene Saison ein und welche Schlüsse hast du daraus gezogen? Wo lagen die Probleme in der vergangenen Spielzeit?

Tim: Rein sportlich betrachtet haben wir uns natürlich schon mehr erhofft, auch wenn wir wussten, dass es nach so einem Umbruch schwer werden wird. Vor allem in der Hinrunde kam dann zusätzlich noch eine unglaubliche Verletzungsmisere hinzu. Teilweise hätten wir ohne die Hilfe aus der zweiten Mannschaft keine elf Spieler auf den Platz gebracht. Das war schon wirklich krass.

Grillo (Tobias Grill) und ich kannten zudem, wie fast alle Spieler die Liga nicht, weshalb wir auch hier ein wenig Lehrgeld zahlen mussten. Nichtsdestotrotz muss man sagen, dass auch vor allem unsere etablierten Jungs nicht an ihre Leistungsgrenze gekommen sind. Trotzdem war es für mich keine verlorene Saison, da wir extrem viel gelernt haben und auch trotz der schlechten Ergebnisse nie eine schlechte Stimmung im Team hatten. Ich konnte deutlich sehen, dass ich mich auch in schwierigen Phasen auf die Jungs verlassen kann.

Trotz einiger schmerzhafter Abgänge ist der Kader im Kern zusammengeblieben. Zusammen mit Grillo und Kratzel hast du jedoch starke und auch namenhafte Spieler wie z.B. Michael Aschatz für Ottobrunn begeistern können. Wie konntet ihr ihn und vom Projekt Ottobrunn überzeugen?

Tim: Zunächst möchte ich betonen, dass uns außer Miges Cara kein Spieler zu einem anderen Verein verlassen hat. Alle Spieler mussten aus beruflichen Gründen umziehen und können deshalb nicht mehr bei uns spielen. Das zeigt, dass wir nicht so viel falsch gemacht haben können.

Wie auch in der letzten Saison lief die Suche nach Neuzugängen hauptsächlich auf Grundlage von persönlichen Beziehungen. Wir sind alle drei, besonders aber Grillo und Kratzel, ziemlich gut vernetzt in der Münchner Fußballszene, weshalb wir wissen wer zu uns passen könnte.

Mit Manki hat Grillo beispielsweise schon beim FC Bayern in der Jugend zusammengespielt und war mit uns beiden auf einer Schule. Außerdem ist er mit Kappe (Michi Kapeller) sehr gut befreundet. Bei Pipinsried musste Manki aus beruflichen Gründen kürzertreten, weshalb wir bei ihm angeklopft haben. Auch wenn er Angebote aus höheren Ligen hatte, die auch ihn auch für sein Engagement sehr gut bezahlt hätten, hat er sich für uns entschieden. Was wir den Jungs bieten können sind einfach eine coole Truppe und ein Top-Training mit einem Aufwand, bei dem man Fußball und Job gut unter einen Hut bringt. Das klingt einfach, entspricht aber nun mal der Wahrheit. Ansonsten versuchen wir immer über Freunde oder ehemalige Mitspieler Leute zu finden, die darauf Bock haben und charakterlich zu uns passen. Denn neben der sportlichen Qualität, zählen für uns in erster Linie der Charakter und die Einstellung der Jungs, die wir uns ins Team holen.

Insgesamt stoßen 8 neue Spieler in deinen Kader hinzu. Wie zufrieden bist du mit den bisher gezeigten Leistungen Neuzugänge im Training und den Testspielen?

Tim: Wir haben durch unsere Neuzugänge den Kader quantitativ, jedoch vor allem qualitativ deutlich verstärkt.

Mit Alex (SV Neuperlach) haben wir in der kommenden Saison wieder ein klare Nummer 1. Er ist noch jung, lernt schnell aus Fehlern und hat gezeigt, dass bereits in der Vorbereitung gezeigt, dass er sich von Tag zu Tag steigern kann. Ich bin mir absolut sicher, dass er uns einige Punkte retten wird.

Auch in der Defensive haben wir auf der Position des Innenverteidiger ordentlich nachgelegt. Chris (TSV Ottobrunn II) haben wir nun endlich von der ersten Mannschaft überzeugen können. Zusätzlich stößt Mark aus Augsburg in den Kader. Von beiden erhoffen wir uns die nötige Härte und Cleverness im Zweikampf, die uns in der vergangenen Saison vielleicht das ein oder andere Mal gefehlt hat. Zusammen mit unserem neuen Kapitän Flecki habe ich nun drei echte Waffen in der Innenverteidigung.

Niko (TSV Ottobrunn II), Juli (SpVgg Unterhaching U19) und Nathan (FC Perlach U19) sind unsere neuen jungen Wilden. Beide haben viel Potential und bringen frischen Wind in das Team. Niko hatte in der vergangenen Saison schon Erfahrungen mit dem Herrenbereich gemacht und hat sein Spiel da bereits ein wenig anpassen können. Jetzt gilt es für ihn den nächsten Schritt in der Entwicklung zu nehmen. Nathan befindet sich gerade in der ersten Lernphase. Er muss sich noch an die Zweikampfhärte und das Tempo gewöhnen, aber er macht einen lernwilligen und sehr engagierten Eindruck. Beiden werden ihre Chancen suchen und versuchen, sie zu nutzen. Mit Juli bekommen wir einen jungen Spieler, der uns sofort weiterhilft. Der Junge wurde bei der SpVgg Unterhaching ausgebildet und man sieht einfach seit dem ersten Training seine Qualität. In seinen ersten beiden Spielen für uns hat er gleich zwei Doppelpacks erzielt und ich bin mir sicher da geht noch mehr.

Niki hat sich eine zweijährige Auszeit genommen, um in Mailand seinen Masterabschluss zu machen. Vor seinem Auslandsaufenthalt war er schon absoluter Leistungsträger in der 1. Mannschaft. Er hat mir versprochen, dass er wieder zu uns kommt, wenn er dauerhaft in München ist. Ab September greift er wieder voll bei uns an und wir dürfen uns sich auf eine echte Granate freuen.

Manki hat in den letzten Jahren in der Regionalliga und Bayernliga gespielt. Er wurde beim FC Bayern ausgebildet und ist ein absoluter Glücksfall für uns. Zudem ist er ein total bodenständiger Typ, der einfach auch charakterlich in die Mannschaft passt. Wir hatten ihn zunächst in der Viererkette eingeplant, was er die letzten Jahre auch gespielt hat, haben uns aber nach den Testspieleindrücken dazu entschieden ihn im zentralen Mittelfeld zu bringen. Er bringt uns durch seine körperliche Präsenz und seine Torgefährlichkeit dort einfach viel mehr als weiter hinten.

Der im vergangenen Jahr eingeleitete Ottobrunner Umbruch spiegelte sich teilweise auch in den Ergebnissen wider. Die Saison war durch Hochs und Tiefs geprägt – Alles in allem jedoch eine eher unglückliche Spielzeit. Dennoch wollt ihr den eingeschlagenen Weg weiter fortführen. Aus Mannschaftskreise ist von einer neuen Spielidee und einer neuen Philosophie zu hören. Was steckt dahinter?

Tim: Ich glaube wir haben uns in der letzten Saison zu sehr an den Gegnern orientiert. Ich habe oft die Gegner im Vorfeld beobachtet und unsere Spielweise darauf ausgerichtet, ihre Fehler auszunutzen. Das hat leider nicht immer so gegriffen, wie erhofft. In der Rückrunde ging es dann nur noch um Punkte, weshalb wir eine konservativere Spielweise gewählt haben. Für die neue Saison haben Grillo und ich beschlossen, dass wir uns nicht mehr an anderen Teams orientieren wollen, sondern in jedem Spiel dem Gegner unsere Spielweise aufdrücken wollen. Wir wollen sehr aggressiv und mutig verteidigen. Das birgt gewisse Risiken, die wir aber bewusst eingehen, um den Gegner gar nicht ins Spiel kommen zu lassen. Außerdem möchten wir viel Ballbesitz haben und den Gegner mit unserem Kombinationsspiel müde machen. Das ist ein ambitionierter Ansatz, aber ich denke so macht Fußball spielen und schauen am meisten Spaß. Ich will, dass die Jungs sich mit dieser Art und Weise identifizieren und auch die Zuschauer unterhalten werden, wenn sie in unser Stadion kommen. Mir ist es in der neuen Saison lieber wir gewinnen 4:2 als 1:0 durch ein Standardtor. Ganz unabhängig vom Ergebnis will ich einfach, dass wir in jedem Spiel mutig agieren und alles raushauen. Wenn wir das schaffen, werden die Ergebnisse auch stimmen.

Thema Vorbereitung. Stichwort: TABATA. Was fällt dir dazu ein?

Tim: (lacht) Ja das ist eine feine Sache und hat der Grillo bei uns reingebracht. Also TABATA ist ein sogenanntes HIT-Workout, dass insgesamt nur 4 Minuten dauert. Dabei machen wir Kraftausdauerübungen mit 20 Sekunden Belastung und 10 Sekunden Pause. Es gibt für TABATA eigene Songs, die den Rhythmus vorgeben. Wir ziehen dieses Programm nach jedem Training durch. Die zweite Mannschaft schüttelt schon immer den Kopf und lacht sich kaputt, wenn sie uns im Kreis zur Musik rumhüpfen sieht. Es fühlt sich vor allem nach dem Training an wie die härtesten 4 Minuten deines Lebens, aber Grillo und ich sind davon überzeugt, dass es uns die nötigen Extraprozente verleihen wird. Außerdem schweißt es im wahrsten Sinne des Wortes die Mannschaft zusammen. Auf der einen Seite hassen sie es, aber auf der anderen Seite lieben sie es und haben schon eigenen Spitznamen für das Workout (z.B. „Ciabatta“)

Der erste Spieltag gegen SC München wurde verschoben. Somit ist das erste Saisonspiel gleichzeitig auch ein Heimspiel am Haidgraben gegen den SC Grüne Heide Ismaning. Was erhoffst du dir von der Mannschaft? Und von Ottobrunn?

Es kommt mit Grüne Heide Ismaning ein Absteiger aus der Bezirksliga und somit starker Gegner. Ich erhoffe mir einfach, dass wir ein geiles Spiel abliefern und unsere Spielidee durchziehen. Wir sollten uns unabhängig vom Ergebnis einfach mit viel Leidenschaft präsentieren und die Zuschauer davon überzeugen auch nächstes Mal wieder zu kommen. Es soll einfach Spaß machen diesem Team zuzuschauen.

Natürlich wünschen wir uns, dass viele Ottobrunner zum Auftakt kommen und auch ordentlich Alarm auf den Rängen machen. Beim Aufstiegsendspiel unserer Zweiten im Sommer hat man gesehen, was das für eine Energie bei den Spielern entfachen kann. Die Zweite spielt ja auch ihr erstes Heimspiel im Anschluss an unser Spiel und meine Wunschvorstellung wäre, dass die 6 Punkte am Haidgraben bleiben und wir danach gemeinsam feiern können.

Du gehst nun die zweite Saison als Cheftrainer der 1. Herrenmannschaft. Welche Erwartungen hast du an dich selbst? Welche Ziele hast du dir persönlich gesetzt?

Tim: Für mich war es letzte Saison das erste Jahr mit einer Herrenmannschaft. Davor war ich immer Jugendtrainer und mit 26 Jahren bin ich immer noch sehr jung was den Trainerbereich angeht. Mich freut es ungemein, dass die Jungs von meinen Ideen überzeugt sind und im Training Spaß haben. Das Alter spielt da bei uns überhaupt keine Rolle.

Ich möchte mich einfach immer weiter verbessern und dazu lernen. Ich mache bestimmt auch noch sehr viele Fehler, aber mir macht das Trainerdasein einfach unglaublich viel Spaß und ich lebe das mit viel Leidenschaft. Mit Grillo habe ich dazu einen Top-Fachmann und dazu einen meiner besten Freunde an meiner Seite. Da macht es natürlich doppelt Bock!

Mein Ziel ist es jeden Einzelnen an seine Leistungsgrenze diese Saison zu bringen und der Mannschaft in jedem Spiel einen Matchplan an die Hand zu geben, der ihnen hilft auf dem Platz ihr Bestes zu zeigen. Ich denke eine Platzierung zu setzen macht keinen Sinn, weil da einfach mehrere Faktoren eine Rolle spielen. Jedoch können wir beeinflussen wie wir auftreten und was für einen Fußball wir spielen. Da wünsche ich mir, dass man das von außen betrachtet erkennen kann und wir für jede Mannschaft ein unangenehmer Gegner sind. Zudem habe ich mir festgenommen diese Saison keine Diskussionen mehr mit Schiedsrichter oder gegnerischen Trainern zu führen. Da hatte ich in der letzten Saison oft Probleme meine Emotionen zu zügeln. Im Endeffekt bringt es einfach nichts sich dauernd zu beschweren, sondern es gilt die Situation anzunehmen und einfach die Leistung auf dem Platz sprechen zu lassen.

(cr)